Im Zusammenhang der Konstitution kollektiver Gedächtnisse manifestiert sich die Macht der Bilder in zweifacher Weise: Einerseits werden Bilder als wichtiges Instrument von Erinnerungskulturen und Geschichtspolitiken genutzt und reflektiert, wie zum Beispiel der Kniefall Willy Brandts. Andererseits gewinnen Bilder dank ihrer momentanen globalen Verbreitung in den Medien selbst den Status historischer Ereignisse, machen die Rezipienten zu unmittelbaren Augenzeugen und erzwingen als Fakten einen historisierenden Umgang.

LitWiss-Vortragsreihe

“Wie Bilder Geschichte machen- Schauplatz Osteuropa”

Veranstaltungsorte:

Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Slawistik
Dorotheenstraße 65, 5. Etage, Raum 5.57

Universität Potsdam, Institut für Slavistik
Am Neuen Palais 10, Haus 8, Raum 075

Im Wintersemester 2011/12 immer mittwochs, um 18:15 Uhr

In der interdisziplinär angelegten Vortragsreihe, die verschiedene Bildmedien in Betracht zieht (Fotografie, Film, Fernsehen, Gemälde, Grafik, Internet) und ihren historischen Schwerpunkt auf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart hat, liegt der Fokus auf den Memorialkulturen Ost- und Mittelosteuropas. Fragen nach der Macht der Bilder und Bildpolitiken werden in den Vorträgen kombiniert mit Fragen nach der Poetik der Bilder und nach den „Bildakten“ (Horst Bredekamp). Dabei interessieren insbesondere auch formale Aspekte wie Bildformeln (Aby Warburg) und ikonographische Kodierungen. Ihre Analyse soll nicht zuletzt auch Aufschlüsse über regionale Differenzen geben. In komparatistischer Perspektive wird nach der kontextuell bedingten Spezifik im geschichtspolitischen und erinnerungskulturellen Umgang mit Bildern gefragt werden, und danach, wie und unter welchen Bedingungen Bilder hier oder dort den Status von Schlag- oder Schlüsselbildern erhalten.

PROGRAMM

30.11.: Tanja Zimmermann – Andacht und Nation nach 1989
07.12.: Magdalena Saryusz-Wolska – Andauernde Bilder. Auschwitz-Ikonen in Wanda
Jakubowskas Film “Die letzte Etappe” (1948)
18.01.: Ewa Mazierska – Polish Martial Law of 1981 in Polish and Foreign Films:
Narratives, Ideologies, Iconographies (Achtung: Dieser Vortrag findet in Potsdam statt!)
25.01.: Tomaš Pospiszyl – Afterimages of National Revival in Czechoslovak Conceptual Art
01.02.: Sylvia Sasse – Das Ereignis der Wiederholung: Künstlerische Reenactments
08.02.: Nancy Condee – Strategic Amnesia: Postcolonialist Recall and the Second World
23.05.: David Shneer – Her Cry Became the World‘s Cry: The Universalization of the
Holocaust through Photographs

Mehr Auskunft: Humboldt Berlin Universitaet

Foto: archivo Planet